Eines Tages gingen zwei sittenlose Studenten den Weg entlang, der zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Ostaker führte, wo viele Kranke ihre Gesundheit wiedererlangten, indem sie vom Wasser der wundertätigen Quelle tranken.
Während sie unterwegs waren, unterhielten sie sich darüber, wie sie den Feiertag verbringen wollten. Da rief einer von ihnen:
— Weißt du, was wir machen werden?
— Nein.
— Wir werden ein Wunder vollbringen – ja, ein echtes Wunder! Lach nicht, sondern hör mir zu. Ich werde dir die Augen verbinden, du wirst dich blind stellen, und ich werde dich zur Quelle führen.
— Und dann?
— Wenn wir dort angekommen sind, wirst du anfangen zu beten, dir mit dem Wasser die Augen waschen und laut rufen, dass du geheilt bist und wieder sehen kannst. So werden wir diesen frommen Leuten einen Streich spielen. Findest du das nicht lustig?
— Doch, ausgezeichnet! Und wenn wir zurückkehren, erzählen wir das Wunder den Zeitungen. Wie werden die Leser über diese armen Narren lachen, die hierherkommen, um Heilung zu suchen! Man wird von uns sprechen, und wir werden berühmt werden ...
— Dann los!
So machten sich die beiden Betrüger auf den Weg und spielten ihre Rollen bis zur wundertätigen Quelle.
Wie gewöhnlich waren dort zahlreiche Pilger versammelt. Als sie die beiden jungen Männer sahen, kamen sie ihnen voller Mitgefühl entgegen, wie gute Christen es gegenüber Kranken zu tun pflegen. Alle begannen zu beten, während sich der gottlose junge Mann der Quelle näherte, um sich die Augen zu waschen.
Mit Hilfe seines heuchlerischen Begleiters nahm er die Augenbinde ab, tat so, als weine er, und beklagte sein Unglück. Er nahm etwas Wasser und rieb sich damit die Augen.
Doch – o Wunder!
Das Wasser zeigte tatsächlich eine Wirkung.
Ein dichter Schleier der Finsternis legte sich über seine Augen. Er konnte nichts mehr sehen.
Er war blind.
Da stieß er einen Schrei der Verzweiflung aus, rief nach seiner Mutter und flehte die allerseligste Jungfrau Maria an, ihm zu vergeben. Dann wandte er sich gegen seinen Gefährten, der vor Staunen sprachlos dastand, und machte ihm Vorwürfe, weil er ihn zu einer so schweren Bosheit verleitet hatte.
Die Pilger waren tief erschüttert und konnten nicht begreifen, was geschehen war. Sie stellten den beiden jungen Männern Fragen, bis diese schließlich den ganzen Betrug gestanden.
Noch nie hatte man an jener Quelle eine solche Erschütterung erlebt. Vergeblich beteten die Pilger und baten Gott, den Unglücklichen zu vergeben.
Gott lässt es nicht zu, dass man sich über Maria, seine Mutter, lustig macht.
Der Blinde blieb blind.
Sein Schmerz und seine Reue über seine Schuld waren so groß, dass er den Verstand verlor und seine letzten Jahre in einer psychiatrischen Anstalt verbrachte. Wir dürfen hoffen, dass die allerseligste Jungfrau Maria ihm angesichts seiner zeitlichen Strafe die Barmherzigkeit Gottes erlangt hat.
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