1 de maio de 2026

FRAU, SEID IHR MEINE MUTTER

Es war im Monat November. Gelb und trocken fielen die Blätter von den Bäumen, so wie trocken und verwelkt die Illusionen des Lebens aus dem Herzen fallen, wenn der Winter des Alters naht.

In Ávila lag in einem vornehmen Haus eine edle und fromme Dame, Doña Beatriz de Ahumada, in den letzten Zügen, noch im Frühling ihres Lebens. Die versammelten Priester beteten bereits die Gebete für die Sterbenden, als die Dame die Augen öffnete, sich umsah und mit schwacher Stimme sagte:

— Teresa! Ruft Teresa.

Ein Mädchen von etwa zwölf Jahren, von außergewöhnlicher Bescheidenheit und großer Schönheit, trat ein und näherte sich dem Bett ihrer sterbenden Mutter. Diese blickte ihre Tochter an und, als ob unser Herr ihr die zukünftige Bestimmung des Kindes offenbare, rief aus:

— Gesegnet... gesegnet!

Und sie verschied.

Das Mädchen, in Tränen aufgelöst, erhob sich, küsste ein letztes Mal diese kalten Hände und zog sich in ein Zimmer zurück, wo ein Bild der Gottesmutter an der Wand hing. Dort ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Dann erhob sie die Augen mit unaussprechlicher Zärtlichkeit und großem Glauben und sprach aus tiefster Seele diese bewegenden Worte:

— Frau, siehe, ich habe keine Mutter mehr; seid Ihr von nun an meine Mutter.

Dieses Mädchen, beschützt von der Himmelsmutter, wurde zu einer der größten Frauen der Geschichte: die heilige Teresa von Jesus, geehrt auf den Altären.

So viel Gutes widerfuhr ihr, weil sie die allerseligste Jungfrau Maria von den ersten Tagen ihres Lebens an zur Mutter genommen hatte.